Produktbeschreibung:
Unter dem Titel Confession-Bekenntnis veröffentlicht die kleine Firma telos Streichquartette von Erwin Schulhoff, Viktor Ullmann, Adolf Busch und Heinrich Kaminski. Die Gemeinsamkeit dieser vier Komponisten besteht darin, dass sie politisch Position bezogen und sich jeder auf seine Art und Weise gegen das Nazi-Regime wendeten. Schulhoffund Ullmann starben in Internierungslagern, Kaminski kurz nach dem Krieg an Erschöpfung und Nahrungsmangel. Adolf Busch überlebte zwar, sein öffentliches Engagement gegen den Nazi-Terror aber zerstörte seine Karriere als Kammermusiker, so dass er in den Nachkriegsjahren künstlerisch keinen Fuß mehr fassen konnte. Ihre humanistischen Bekenntnisse sind auf dieser wunderbaren CD zusammengefasst und zeigen auf exemplarische Weise, welchen künstlerischen Stellenwert diese als 'entartete Musik' bezeichneten Werke damals hatten und heute immer noch haben. Sei es das ergreifende und einzig erhaltene 3. Streichquartett von Ullmann, sei es das frühe, alle klassischen Grenzen sprengende 1. Streichquartett von dem Querdenker Erwin Schulhoff. Aber auch Buschs sehr traditioneller Quartettsatz von 1924 zeigt eine ungemeine Tiefe und scheint die nahende Katastrophe bereits vorauszuahnen. Kaminskis Quartett von 1917 hat keine direkte politische Aussage, obwohl man sicherlich einen Bezug zum ersten Weltkrieg herstellen könnte. Was vor allem auffällt, ist das ungeheure Talent dieses heute vergessenen Komponisten, der unbedingt wieder entdeckt werden muss.
Das casalQuartett hat sich ernsthaft mit den Werken auseinandergesetzt, so dass es in seiner Interpretation direkt zum Kern vorstößt. Die vier Musiker lassen sich nicht wie andere Interpreten zuviel von persönlicher Betroffenheit leiten und kommen nie in Gefahr, die Musik überzuinterpretieren. Indem sie objektiv bleiben und einfach der Substanz vertrauen, gewinnt jedes der vier Werke an Eigendynamik und erzählt uns so eigentlich sehr viel über seinen Komponisten. Eine absolut integre CD mit einem hohen Repertoirewert und vier wunderbaren Interpretationen. Ohne Zweifel eine der wertvollsten Veröffentlichungen der letzten Jahre.
pizzicato 11/2005
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